14.09.2020
Nur was man kennt, schützt man auch - FREIE WÄHLER Fraktion erkundet Biotop am Eiglfurter Bach

Artikel von Alois Hauner - ungekürzte Ausgabe

Bei der geplanten Weiterführung der Umgehungsstraße durch die Trasse "Haindling-Nord" sind, wie die bisher vorliegenden Planungen der Straßenbaubehörden zeigen, enorme Eingriffe in die Landschaft und in die Natur erforderlich. Eine der besonders davon betroffenen Stellen ist das Waldstück zwischen Geiselhöring und Haindling entlang des Eiglfurter Baches, das dabei in einer enormen Breite schräg vom Straßenverlauf durchschnitten werden wird. Dabei werden wegen des steilen Hanges hohe Böschungen beziehungswiese tiefe Einschnitte erforderlich.

Das fast urwaldähnliche Waldstück mit mehreren Quellgebieten ist seit Jahrzehnten schon als wertvolles Biotop ausgewiesen. Verschiedene Bäume darin sind extra gekennzeichnet und stehen unter Naturschutz. Außerdem ist es Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren, unter anderem für Fledermäuse, Höhlenbrüter und Amphibien. Die Fraktion der FREIEN WÄHLER im Geiselhöringer Stadtrat hat sich deswegen vor Ort ein Bild davon gemacht. Fraktionskollege Dr. Korbinian Scherm übernahm dabei die Führung der Gruppe. Zunächst erläuterte er seinen Stadtratskollegen am Eiglfurter Bach die geltende Gewässerrandstreifenregelung, die als letztem Bundesland nun auch in Bayern eingeführt worden ist und die Gewässer vor schädlichen Einträgen schützen soll. Dr. Scherm, selbst Landwirt, machte deutlich, wie kompliziert und aufwendig dabei das Meldeverfahren für die Bauern sei, da es eine Vielzahl von Regelungen dabei zu beachten gelte, um keine Bußgeldforderungen zu erhalten.

Beeindruckt waren die Exkursionsteilnehmer dann von einem mächtigen Biberdamm, der den Eiglfurter Bach auf eine lange Strecke anstaut, ihn praktisch in einen parallel verlaufenden Graben umleitet und hundert Meter weiter schließlich wieder in das alte Bachbett einmünden lässt. Dieser Bach ist ein Gewässer 3. Ordnung und die Stadt dafür zuständig. Solche Fließgewässer haben große Bedeutung für den regionalen Hochwasserschutz und sollen deswegen auch, beispielsweise durch Renaturierungsmaßnahmen, entsprechend aufgewertet und geschützt werden. "Es sollten nicht nur ständig neue Baugebiete geschaffen, sondern auch sinnvoller Gewässerschutz betrieben werden", so ein Fraktionsmitglied.

Auf dem weiteren Gang durch das Waldstück wies Dr. Korbinian Scherm auf das viele Totholz hin, welches als Lebensraum für zahlreiche Tierarten dienen könne. Da praktisch keine Nadelbäume vorkämen, habe auch der Borkenkäfer hier keine Chance. Laubbäume verfügten zudem bei Sturmereignissen über eine höhere Standfestigkeit. Manche der mächtigen Eichen seien schon sehr alt und hätten große Durchmesser. Hier erfolge der heute so geforderte Waldumbau schon seit Jahrzehnten. Eine andere Besonderheit in diesem Biotop sind mehrere Quellgebiete, welche durch die Hanglage entstanden. "So ein Waldstück leistet etwas für das Klima, schafft Naturerlebnisse, speist Gewässer und bietet Lebensraum für eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen, wie sie anderswo kaum vorkommt. Und das vor der Haustüre von Geiselhöring", so Dr. Scherm, der danach auf den ernormen Flächenverbrauch für die Trasse "Haindling-Nord" zu sprechen kam.

Für die zahlreichen Brückenbauwerke, den Bau der Straße selbst, die Auf- und Abfahrten an Einmündungen, die bis zu sieben Meter hohen Böschungen und die Ausgleichsflächen gebe es einen extrem hohen Platzbedarf. "Und wo sollen gar gleichwertige Tauschflächen in Gäubodenqualität für Grundabtretungen herkommen?", fragte Dr. Scherm. "Im gesamten näheren Umkreis stehen die nicht zur Verfügung."

Die Notwendigkeit der Fortführung der Umgehungsstrasse durch "Haindling-Nord" mit der kürzlich erfolgten Ansiedlung der Firma ´Hirotec` zu begründen, wurde von den Fraktionsmitgliedern als unrealistisch angesehen. "Die Lieferungen der Produkte werden von Geiselhöring über Hadersbach zu BMW nach Dingolfing erfolgen. Wenn die benötigten Metalle ggf. auf dem Schiffsweg aus Österreich in den Straubinger Hafen Sand kommen dann führt der kürzeste Lieferweg über die Regionaltrasse zu ´Hirotec` nach Geiselhöring", wurde argumentiert. Abschließend kritisierte Angela Ramsauer heftig eine Aussage des Straßenbauamtes über das Biotop ("Der Bewuchs ist kein Problem, da gehen wir durch") und fasste den Grund für die etwas andere Fraktionssitzung der FW vor Ort mit der Bemerkung zusammen: "Nur was man kennt,schützt man auch."